Kurz vor dem Auftritt, der Prüfung, dem wichtigen Gespräch: Das Herz klopft, die Hände werden feucht, die Gedanken überschlagen sich. Der erste Impuls ist fast immer: bloß weg damit.
Ich schlage dir einen anderen Weg vor: dein Lampenfieber nicht bekämpfen, sondern umarmen. Klingt seltsam, verändert aber vieles.
Lampenfieber ist kein Defekt
Lampenfieber fühlt sich oft an wie ein Fehler im System. Dabei ist es eine völlig normale, gesunde Reaktion auf etwas, das dir wichtig ist. Dein Körper macht sich bereit: Er schärft deine Aufmerksamkeit und gibt dir Energie. Genau diese Aktivierung brauchst du, um präsent zu sein und dein Können abzurufen. Ohne sie wäre dein Auftritt blass – und das Publikum würde es sofort spüren.
Ein bisschen Lampenfieber ist nicht dein Gegner. Es ist dein Treibstoff.
Lampenfieber ist nicht gleich Bühnenangst
Beides fühlt sich körperlich erstaunlich ähnlich an – und ist doch nicht dasselbe. Es ist dasselbe Gefühl, nur in einer anderen Dosis.
Ein bisschen Anspannung bringt dich in den Flow. Zu viel davon blockiert dich. Erst wenn die Anspannung so stark wird, dass dein Kopf leer wird und nichts mehr geht, sprechen wir von Bühnenangst. Es geht also nicht darum, die Aufregung abzuschalten – sondern sie in der richtigen Dosis zu halten.
Die Wissenschaft dahinter: das Yerkes-Dodson-Gesetz

Dieser Zusammenhang ist gut erforscht: Zu wenig Anspannung, und du bist unterfordert und langweilst das Publikum gleich mit. Zu viel, und dein Körper schaltet auf Alarm. Dazwischen, oben auf der Kurve, liegt dein bester Moment – hellwach, voll da, im Flow.
Lampenfieber ist die Energie, die dich auf diese Kurve bringt. Die Kunst besteht darin, den Kipppunkt zu erkennen: den Moment, an dem hilfreiches Lampenfieber in blockierende Bühnenangst umschlägt. Wer ihn kennt, kann gegensteuern.
Du musst dein Lampenfieber nicht besiegen
Selbst große Künstlerinnen und Künstler spüren bis heute Lampenfieber – und gehen trotzdem auf die Bühne. Sie haben gelernt, mit ihm zu leben und auf die Bühne zu gehen.
Dein Lampenfieber ist nicht dein Feind – es wartet nur darauf, dein Verbündeter zu werden.


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